Es gibt diesen einen Moment im Juli, in dem die Luft so satt ist von Sonne und frisch gemähtem Gras, dass die Zeit stillzustehen scheint. Das Basilikum entfaltet in der Hitze seine volle, fast pfeffrige Kraft, die Zitronenmelisse weht mit ihrer kühlen Frische darüber hinweg. Diesen Augenblick wollen wir bewahren – nicht getrocknet, sondern in einem leuchtend grünen Öl.
Wer ein Kräuteröl selber machen möchte, sollte eines wissen: Frische Kräuter bringen Wasser ins Öl, und unter Luftabschluss können sich darin gefährliche Keime vermehren, allen voran der Erreger des Botulismus. Darum lassen wir die Kräuter hier nicht tagelang ziehen, sondern arbeiten wie die Profiküchen: kurz blanchieren, mixen, filtern, kalt stellen. Das Öl wird intensiver, bleibt länger grün – und ist sicher.
Kräuteröl selber machen: Basilikum-Zitronenmelisse-Öl Schritt für Schritt
Zutaten für etwa 200 ml
- 200 ml mildes natives Olivenöl extra (oder halb Olivenöl, halb Rapsöl für eine noch klarere Farbe)
- 40 g Basilikumblätter
- 20 g Zitronenmelisse
- Schale von ½ Bio-Zitrone, nur das Gelbe, fein abgerieben
Zubereitung
- Blanchieren: Basilikum und Melisse für 10 Sekunden in sprudelnd kochendes Wasser geben und sofort in Eiswasser abschrecken. So bleibt das Grün leuchtend.
- Trocknen: Die Kräuter kräftig ausdrücken und in einem Küchentuch so trocken wie möglich tupfen. Jeder Tropfen Wasser verkürzt die Haltbarkeit.
- Mixen: Kräuter, Zitronenschale und Öl im Standmixer etwa eine Minute auf höchster Stufe pürieren, bis das Öl tiefgrün ist.
- Filtern: Durch ein mit Kaffeefilter oder Passiertuch ausgelegtes Sieb laufen lassen. Nicht drücken – Geduld macht das Öl klar.
- Kühlen: In ein sauberes, heiß ausgespültes Fläschchen füllen und sofort in den Kühlschrank stellen.
Haltbarkeit und Sicherheit
Das Öl gehört in den Kühlschrank und wird innerhalb von 4 Tagen aufgebraucht. Reste lassen sich portionsweise in Eiswürfelformen einfrieren und halten so etwa drei Monate. Riecht das Öl fremd, wird es trüb oder bilden sich Bläschen, kommt es weg. Leichtes Flocken im Kühlschrank ist dagegen harmlos und verschwindet bei Zimmertemperatur.
Gourmet-Rezept: Burrata im Spiegel des Sommeröls
Ein Gericht, das von seiner Schlichtheit lebt. Die cremige Burrata trifft auf das lebendige Grün des Öls, Erdbeeren bringen Süße und eine feine Säure.
Zutaten für 2 Personen
- 1 große Burrata (ca. 200 g), 30 Minuten vorher aus dem Kühlschrank genommen
- 4 EL Basilikum-Zitronenmelisse-Öl
- 6–8 kleine, feste Erdbeeren
- einige Tropfen weißer Balsamico
- frisch gemahlener weißer Pfeffer, Fleur de Sel
- ein paar frische Melissenblätter
Anrichten
- Auf zwei flachen Tellern je 2 EL Öl zu einem runden Spiegel verlaufen lassen.
- Die Burrata in die Mitte setzen und oben kreuzweise einschneiden, sodass der cremige Kern hervortritt.
- Die Erdbeeren in hauchdünne Scheiben schneiden und locker um den Käse legen.
- Ein paar Tropfen Balsamico in das Öl setzen – sie bilden kleine Perlen.
- Mit Pfeffer, einer Prise Fleur de Sel und den Melissenblättern vollenden.
Der passende Begleiter
Wein: ein kühler Rosé aus der Provence oder ein Sauvignon Blanc – die Säure schneidet durch die Cremigkeit der Burrata.
Tee: ein heller Jasmintee, dessen florale Note die Melisse aufnimmt.
Mehr über Basilikum, Melisse und ihre Partner steht im Kompendium der Aromen. Das fünfte Öl der Reihe ist das Wärmeöl mit knusprigen Ingwerfäden. Weiter geht es mit dem Lichtöl aus Zitronenschale. Und wer das nächste botanische Porträt nicht verpassen will: Das Aromawelt-Update erscheint einmal im Monat – das Formular findest du auf der Startseite.
Die Öl-Reihe des Botanischen Tagebuchs — zehn Öle, alle selbst gemacht
Sommeröl · Erdenöl · Nachtöl · Feueröl · Wärmeöl · Lichtöl · Confit-Öl · Würzöl · Minzöl · Rotöl
Jeder Beitrag erklärt Zubereitung, Haltbarkeit und die Sicherheitsregeln: neun Öle für die Küche, eines für die Haut. Übersicht im Botanischen Tagebuch.