Wenn der Morgennebel die Beete umschließt und die Blätter des Salbeis silbrig schimmern, erwacht eine andere Art von Kraft. Eine herbe, fast sakrale Note, die an alte Klostergärten erinnert. Thymian bringt seine harzige Tiefe dazu, schwarzer Pfeffer eine leise Wärme. Zusammen ergeben sie ein bernsteinfarbenes Öl, das nach Herbst schmeckt.
Salbei und Thymian sind robuste Kräuter, aber auch sie bringen Feuchtigkeit ins Öl. Statt sie tagelang bei Zimmertemperatur ziehen zu lassen, nutzen wir die sanfte Warm-Infusion: Die Wärme löst die Aromen in zwanzig Minuten statt in einer Woche. Für die Sicherheit entscheidend sind danach drei Dinge – Kräuter vollständig abfiltern, kühl lagern, schnell verbrauchen.
Salbei-Thymian-Öl selber machen: Anleitung für das Erdenöl
Zutaten für etwa 200 ml
- 200 ml natives Olivenöl extra, gern ein kräftiges
- 25 g frische Salbeiblätter
- 15 g frischer Thymian (Zweige)
- 6 schwarze Pfefferkörner, leicht angedrückt
Zubereitung
- Trocknen: Die Kräuter waschen, gründlich trocken tupfen und am besten eine Stunde auf Küchenpapier nachtrocknen lassen.
- Erwärmen: Öl, Kräuter und Pfeffer in einen kleinen Topf geben und langsam auf etwa 70 °C erwärmen. Ein Küchenthermometer hilft – das Öl darf nicht brutzeln oder rauchen.
- Ziehen lassen: Die Temperatur 20 Minuten halten, dann den Topf vom Herd nehmen und das Öl abkühlen lassen.
- Filtern: Durch einen Kaffeefilter oder ein Passiertuch gießen und alle Kräuterreste entfernen.
- Kühlen: In ein sauberes, heiß ausgespültes Fläschchen füllen und in den Kühlschrank stellen.
Haltbarkeit und Sicherheit
Im Kühlschrank lagern und innerhalb von 4 Tagen aufbrauchen. Wer einen Vorrat möchte, nimmt gut getrocknete Kräuter statt frischer – das Öl hält dann deutlich länger, gehört aber trotzdem kühl und dunkel gelagert. Riecht es fremd, wird es trüb oder bilden sich Bläschen, kommt es weg.
Gourmet-Rezept: Gebratene Steinpilze auf cremiger Polenta
Zutaten für 2 Personen
- 300 g Steinpilze
- 100 g Polenta (Maisgrieß)
- 500 ml Gemüsefond
- 30 g Butter
- 30 g frisch geriebener Parmesan oder Pecorino
- 1 EL neutrales Öl zum Braten
- 3 EL Salbei-Thymian-Öl
- Salz, Pfeffer
Hinweis: Steinpilze aus dem Handel kaufen oder nur Funde verwenden, die sicher bestimmt sind – im Zweifel hilft eine Pilzberatungsstelle.
Zubereitung
- Polenta: Den Fond aufkochen, den Maisgrieß unter Rühren einrieseln lassen und nach Packungsangabe cremig garen. Zum Schluss 20 g Butter und den Parmesan unterrühren.
- Pilze: Die Steinpilze trocken abbürsten, in Scheiben schneiden und in einer heißen Pfanne mit dem neutralen Öl 3–4 Minuten goldbraun braten. Salzen und pfeffern.
- Glasieren: Die Hitze reduzieren, die restliche Butter zugeben und die Pfanne vom Herd ziehen. 2 EL Salbei-Thymian-Öl unterschwenken, bis die Pilze glänzen.
- Anrichten: Die Polenta als Bett auf die Teller geben, die Pilze daraufsetzen und mit dem restlichen Öl beträufeln.
Der passende Begleiter
Wein: ein kräftiger Nebbiolo oder ein gereifter Chardonnay.
Tee: ein rauchiger Lapsang Souchong, der die Erdigkeit der Pilze aufnimmt.
Die Reise durch den Garten geht weiter: Im Sommer leuchtet das Basilikum-Zitronenmelisse-Öl, in der Nacht wartet das Geheimnis der Mitternacht. Das fünfte Öl der Reihe ist das Wärmeöl mit knusprigen Ingwerfäden. Weiter geht es mit dem Lichtöl aus Zitronenschale. Alle Porträts sammelt das Botanische Tagebuch.
Die Öl-Reihe des Botanischen Tagebuchs — zehn Öle, alle selbst gemacht
Sommeröl · Erdenöl · Nachtöl · Feueröl · Wärmeöl · Lichtöl · Confit-Öl · Würzöl · Minzöl · Rotöl
Jeder Beitrag erklärt Zubereitung, Haltbarkeit und die Sicherheitsregeln: neun Öle für die Küche, eines für die Haut. Übersicht im Botanischen Tagebuch.