17. Oktober 2026

Johanniskrautöl selber machen: das Rotöl für die Haut

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Johanniskraut ist die einzige Pflanze dieser Reihe, die man am Öl erkennt. Hypericum perforatum blüht um den Johannistag Ende Juni, und wenn man die gelben Blüten in Olivenöl ansetzt, färbt sich das Öl innerhalb von Wochen tiefrot: Hypericin und Chlorophyll wandern aus den Blüten in das Fett und geben dem Rotöl seine Farbe – in der Sonne fluoresziert es fast. Nach neun Speiseölen von Sommeröl bis Minzöl ist das hier der zehnte Eintrag, und der einzige, der eine klare Grenze markiert: Johanniskrautöl wird nicht gegessen. Es ist ein Hautöl.

Diese Grenze ändert auch die Regeln. Für ein Speiseöl galt bisher: nie tagelang kalt ansetzen, weil sich unter der Ölschicht ohne Sauerstoff ein Keim vermehren kann, vor dem das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt. Für ein Öl, das auf die Haut kommt, ist dieses Risiko nicht dasselbe – dafür rückt ein anderes in den Vordergrund: Wasser aus frischen Blüten, in dem sich Schimmel bildet, und eine mögliche Lichtempfindlichkeit der behandelten Haut. Beides steht in diesem Rezept an erster Stelle.

Johanniskrautöl selber machen: das Rotöl (Oleum Hyperici)

Zutaten für etwa 400 ml

  • 100 g frische Johanniskrautblüten (Hypericum perforatum), geerntet am Vormittag eines trockenen Tages – oder 30 g getrocknete Blüten aus der Apotheke
  • 400 ml kaltgepresstes Olivenöl – das Verhältnis 1:4 entspricht der klassischen Vorschrift des Arzneibuchs
  • ein Schraubglas mit weiter Öffnung, heiß ausgespült und trocken

Zubereitung, zwei Wege

  1. Sammeln und anwelken: Blüten samt Kelch pflücken, nicht waschen, sondern nur ausklopfen. Für zwölf bis vierundzwanzig Stunden dünn ausgebreitet anwelken lassen – dieser Schritt entzieht Wasser und ist der wichtigste gegen Schimmel. Bei gekauften getrockneten Blüten entfällt er.
  2. Anquetschen: Die Blüten mit den Händen leicht zerdrücken, bis sie feucht glänzen, und ins trockene Glas geben.
  3. Ansatz – Sonnenmethode: Mit Olivenöl übergießen, bis alles bedeckt ist, verschließen und an einen warmen, sonnigen Platz stellen. Vier bis sechs Wochen ziehen lassen und das Glas täglich einmal schwenken. Das Öl färbt sich von Goldgelb über Orange nach Tiefrot.
  4. Ansatz – schnelle Methode: Blüten und Öl in ein Glas oder einen Topf geben und im Wasserbad bei 60 bis 70 °C zwei bis drei Stunden ziehen lassen. Danach abkühlen lassen. Das Ergebnis ist weniger intensiv gefärbt, aber am selben Tag fertig.
  5. Prüfen: Wenn das Öl rubinrot und der Duft süß-harzig ist, ist der Auszug fertig. Ein muffiger Geruch oder eine Trübung am Glasboden bedeutet: verwerfen, nicht filtern und weiterverwenden.
  6. Filtern und lagern: Über ein feines Sieb oder ein Mulltuch in eine dunkle, saubere Flasche abfüllen. Kühl und dunkel lagern.

Haltbarkeit und Sicherheit

Richtig gefiltert und kühl gelagert ist Rotöl etwa ein Jahr haltbar; ranzig riechendes oder trüb gewordenes Öl kommt weg. Für die Haut gilt: erst an einer kleinen Stelle testen – Hautreaktionen sind möglich, und wer empfindlich reagiert, sollte das Öl nicht großflächig verwenden. Wichtiger ist der Hinweis zur Sonne: Die behandelten Hautflächen sollten für längere Zeit keine starke Sonnenbestrahlung oder Solarium abbekommen, denn eine erhöhte Lichtempfindlichkeit ist für Johanniskraut beschrieben – besonders bei hellhäutigen Menschen und bei gleichzeitiger Einnahme anderer lichtempfindlich machender Mittel. Nicht anwenden auf größeren offenen Wunden, nicht auf Verbrennungen zweiten oder dritten Grades, und nicht in den ersten Lebenstagen auf Kinderhaut. Und ausdrücklich: dieses Öl wird nicht eingenommen. Innerliche Johanniskrautpräparate stehen im Verdacht, den Abbau vieler Arzneimittel zu beschleunigen; die europäische Arzneimittelbewertung führt dafür unter anderem Gerinnungshemmer, Immunsuppressiva und bestimmte Krebs- und HIV-Medikamente auf. Das ist eine Frage für die Praxis, nicht für ein Küchenexperiment. Für Schwangerschaft, Stillzeit oder die Anwendung im Intimbereich gilt dasselbe: ärztlich abklären lassen, nicht selbst entscheiden.

Warum sich das Selbermachen lohnt

Erstens die Farbe: Kein gekauftes Produkt zeigt so deutlich, was aus den Blüten übergegangen ist. Zweitens die Herkunft – Blüten, die man im eigenen Garten oder auf einer ungespritzten Wiese zur richtigen Zeit erntet, sind frischer als jede Handelsware. Drittens die Kontrolle über die Ölqualität: Die Trägersubstanz ist mitentscheidend, und man wählt sie selbst. Viertens die Einfachheit: zwei Zutaten, ein Glas, Geduld. Und fünftens der Nebeneffekt, dass man in dieser Zeit lernt, wo die Pflanze wächst – wer sie einmal erkannt hat, sieht sie jedes Jahr wieder.

Wofür Rotöl traditionell verwendet wird

Das traditionelle Anwendungsgebiet ist in der deutschen Kommission-E-Monografie beschrieben: die Behandlung und Nachbehandlung kleiner Wunden, Muskelbeschwerden, Verbrennungen ersten Grades und sonnenbrandähnlicher Hautentzündungen. Die europäische Arzneimittelbewertung führt die Anwendung auf kleinen Wunden und bei leichten Hautentzündungen wie Sonnenbrand als traditionelle Anwendung – das heißt in der Sprache der Behörde: plausibel und seit Jahrzehnten bewährt, aber nicht durch klinische Studien belegt. Für die Pflege spröder Haut, alter Narben, von Blutergüssen und Muskelrissen kennt die Fachliteratur ebenfalls die Anwendung, teils als Öl, teils als Salbe. Bei einer fertigen Rotöl-Zubereitung ist beschrieben, sie für eine Kompresse auf etwa 40 °C zu erwärmen; mehr Hitze schadet dem Öl und nicht der Haut. Und was nicht geht: aus einem selbst gemachten Öl ein Heilmittel machen. Es ist ein Pflegeöl mit einer langen Überlieferung, mehr nicht.

Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag ist Information über die Herstellung eines Pflegeöls und über die traditionelle Verwendung, keine medizinische Beratung. Johanniskrautöl ist kein Arzneimittel und ersetzt bei Beschwerden kein Arztgespräch – bei Wunden, Hauterkrankungen, Schwangerschaft oder Medikamenteneinnahme bitte ärztlich oder in der Apotheke beraten lassen.

Johanniskrautöl schließt die Öl-Reihe des Botanischen Tagebuchs; was Fette mit der Haut machen, steht im Essay Haut und Öl – vom Sommeröl und dem Erdenöl über das Nachtöl, das Feueröl, das Wärmeöl, das Lichtöl, das Confit-Öl, das Würzöl mit Lorbeer und das Minzöl bis hierher. Alle Beiträge sammelt das Botanische Tagebuch.

Die Öl-Reihe des Botanischen Tagebuchs — zehn Öle, alle selbst gemacht

Sommeröl · Erdenöl · Nachtöl · Feueröl · Wärmeöl · Lichtöl · Confit-Öl · Würzöl · Minzöl · Rotöl

Jeder Beitrag erklärt Zubereitung, Haltbarkeit und die Sicherheitsregeln: neun Öle für die Küche, eines für die Haut. Übersicht im Botanischen Tagebuch.